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Fachkräftemangel: Warum Bewerber abspringen

Die Zeiten sind nicht einfach: Einigen Firmen fehlen die Fachkräfte, und Corona macht Bewerbungsprozesse derzeit nicht einfacher. Hat sich das Unternehmen schließlich für einen Bewerber entschieden und springt dieser ab, verschärft sich die Situation weiter. Lesen Sie hier, wo es haken könnte.

Eine aktuelle Studie von Bitkom zeigt, dass große Unternehmen mit mindestens 500 Mitarbeitern bei Bewerbungsprozessen in der Regel besser gestellt sind als kleine und mittelständische Firmen: Sie erhalten erstens mehr Bewerbungen, und zweitens gelingt es ihnen besser, diese in Festanstellungen umzuwandeln. Das liegt auch an der Bezahlung – ein großes Unternehmen kann häufig ein höheres Gehalt zahlen als kleinere Firmen.

Wer zu langsam ist, muss mit Absagen rechnen

Doch die Bitkom-Studie zeigt jetzt, dass es Bewerbern nicht immer nur ums Geld geht. Vielmehr springen Bewerber vor allem ab, weil eine Konkurrenzfirma mit einem besseren Angebot schneller war. Wer sich also mit dem Bewerbungsprozess und vor allem der Entscheidung für einen Kandidaten zu viel Zeit lässt, muss damit rechnen, dass dieser schon anderswo einen Vertrag unterschrieben hat.

Nach einer Bewerbung oder einem Vorstellungsgespräch wochen- oder monatelang kein Feedback zu schicken, ist nicht wertschätzend und ein Problem für einen Bewerber, der sich beruflich verändern möchte: Schließlich muss er beispielsweise Kündigungsfristen beachten und Resturlaub einplanen. Kein Wunder, dass sich anderweitig umschaut, wer zu lange keine Reaktion bekommt.

Tipp: Dank digitaler Bewerbungsprozesse lässt sich unter anderem steuern, zu welchem Zeitpunkt ein Bewerber spätestens eine Nachricht bekommen sollte. Das kann auch eine Zwischenmeldung sein im Sinne von: „Wir brauchen etwas länger“. Wer nicht auf ein solches System zurückgreifen kann, sollte sich einen Termin in seinen Kalender eintragen.

Unflexible Bedingungen und zu wenig Gehalt

An zweiter Stelle steht für Bewerber, die vor einer Einstellung einen Rückzieher machen, die Höhe des Gehalts. Tipp: Damit der Bewerbungsprozess nicht erst nach dem zweiten Vorstellungsgespräch oder noch später an der Höhe des Gehalts scheitert, haben Sie drei Möglichkeiten:

  1. Bitten Sie bereits in der Ausschreibung darum, dass der Bewerber sein Wunschgehalt nennt.
  2. Schreiben Sie schon in Ihre Anzeige, wie hoch das Gehalt sein wird.
  3. Sprechen Sie die Höhe des Gehalts direkt im ersten Gespräch an.

Entscheiden Sie sich für Möglichkeit 1 oder 2, halten Sie unpassende Fachkräfte davon ab, sich zu bewerben. Das kann Zeit sparen, aber speziell bei Möglichkeit 2 auch dazu führen, dass sich nur wenige Kandidaten bewerben. Bei Möglichkeit 3 müssen Sie allerdings in Kauf nehmen, dass Sie unnötig Zeit mit einem Bewerber verbringen, der später abspringt. Für diese Variante sollten Sie sich also nur entscheiden, wenn Sie beim Gehalt oder den Zusatzleistungen innerhalb einer größeren Spanne flexibel sein können.

Fachkräfte achten auf die Rahmenbedingungen

Für einige Fachkräfte spielen neben dem Gehalt und der Dauer des Bewerbungsprozesses die Rahmenbedingungen eine Rolle: So legen Arbeitnehmer zunehmend Wert auf ein gewisses Maß an Flexibilität – nämlich bei den Arbeitszeiten, aber auch beim Einstiegsdatum oder beim Arbeitsplatz. Wer also unter Fachkräftemangel leidet, sollte nicht nur angemessen bezahlen, sondern auch an anderen Schrauben drehen, um als Arbeitgeber attraktiver zu werden.